Farbe oder nicht Farbe, dass ist hier die Frage

Als ich im Frühjahr auf Ameland für einige Zeit Urlaub gemacht habe, war das Wetter sehr durchwachsen. Landschaftsfotos mit grauem Himmel, naja, so richtig wirkt das nicht. So habe ich mir relativ schnell als Aufgabe gesetzt, eine Fotoserie (nur) in Schwarz-Weiß zu erstellen. Ganz auf Farbe habe ich dann doch nicht verzichtet: Ein paar Aufnahmen entfalten ihre Wirkung erst durch einen Farbfilter. Also über den Farbverlauf von zum Beispiel Weiß über Blau zu Schwarz. Und bei ein paar Aufnahmen wurde auch der Effekt des Color-Keys angewendet, also der farblichen Darstellung eines Objektes in einem ansonsten schwarz-weiß gehaltenem Bild.

Doch was ist der Unterschied zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien? Es kann ja nicht einfach das Fehlen von Farbe sein.

Schwarz-Weiß-Aufnahmen

Bei Farbfotografien spielt die Farbe eine wichtige Rolle. Durch ihren Kontrast, ihre Stimmung oder ihre Intensität bringt sie eine zusätzliche Ebene ins Foto. Diese fehlt logischerweise bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Hier kommt es vor allem auf die Bildgestaltung – die Führung der Linien und Anordnung der Formen – an, sowie auf die Kontraste in den Helligkeitsunterschieden. Die Bildkomposition spielt zwar auch bei Farbaufnahmen eine wichtige Rolle, doch beim Fehlen der Farbe umso mehr.

Dennoch können mit einer Schwarz-Weiß-Aufnahme auch Emotionen übertragen werden. Sie lassen sich zum Beispiel verwenden, um Traurigkeit, Wehmut oder Vergangenes zu vermitteln.

Wenn Sie eine Aufnahme in Schwarz-Weiß umwandeln, gehen die Emotionen, die durch die Farbe getragen werden, verloren. Kanten und Muster können aber durch die Konvertierung hervorgehoben werden. Das Bild erhält dadurch eine neue Aussagekraft.

Nehmen Sie sich einfach einmal eine Fotografie, wandeln diese in eine Schwarz-Weiß-Aufnahme um, und ermitteln Sie, in welche Richtungen die Linien laufen.

Analyse der Linienführung
Analyse der Linienführung
Hier wird die Linienführung schon komplexer
Hier wird die Linienführung schon komplexer

 

Wenn Sie Farbaufnahmen umwandeln, werden Sie schnell feststellen, dass die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zuerst einmal häufig „langweilig“ aussehen. Ein Grund kann darin liegen, dass Farben beim Umwandeln einen ähnlichen Helligkeitswert haben und somit der Kontrast aus den Farbaufnahmen verloren geht. So sehen zum Beispiel Rot und Grün in Grau relativ ähnlich aus. Ein roter Apfel in einer grünen Wiese wird erst einmal ein graues Einerlei. Aber bei vielen Programmen lassen sich gezielt die Helligkeiten für einzelne Farben steuern. So kann zum Beispiel das Rot heller und das Grün dunkler dargestellt werden, um wieder Kontrast in das Bild zu bekommen.

Weiterhin können die Kontraste in Schwarz-Weiß-Aufnahmen stärker hervorgehoben werden. In Farbaufnahmen „kippen“ die Farben schnell ins Unnatürliche und die Aufnahmen erhalten Farbstiche oder Farbabrisse, sodass die Übergänge nicht mehr gleichmäßig sind. Bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen geschieht dieses nicht so leicht. So habe ich häufig beim Himmel einen Graufilter mit verstärkten Kontrasten verwendet, um ihn dramatischer wirken zu lassen.

Monochromatische Aufnahmen

Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der Bildwirkung kann die Verwendung eines Farbfilters NACH der Schwarz-Weiß-Konvertierung sein. Ein Bild setzt sich dann nicht aus unterschiedlichen Grauwerten zusammen, sondern zum Beispiel aus unterschiedlichen Blauwerten. So lässt sich dann der Eindruck einer Nacht- oder Dämmerungsaufnahme verstärken. Aus einer Schwarz-Weiß-Aufnahme wird dann eine monochromatische Aufnahme, also einem Bild mit nur einer Farbe (in unterschiedlichen Helligkeitswerten von Weiß bis Schwarz)

Ein bekannter Effekt dürfte der Sepia-Filter sein, der den Eindruck einer alten Aufnahme vermitteln soll. Aber es kann auch jede andere Farbe verwendet werden, um bestimme Stimmungen zu erzeugen.

Color-Key-Aufnahmen

Diese Art der Aufnahmen sind nicht mehr Schwarz-Weiß oder monochromatisch. Vielmehr wird nur ein Großteil des Bildes in Schwarz-Weiß umgewandelt, bestimmte Bildbereiche aber farbig behalten, um diese hervorzuheben. Die erstgenannten Effekte lassen sich theoretisch auch durch Wahl der passenden Filter direkt beim Fotografieren erzeugen. Color-Key-Aufnahmen sind aber ein reines Produkt der Bildbearbeitung. Ein besonderes Augenmerk muss hierbei auf den Übergängen der farbigen Bildteile auf die ansonsten schwarz-weißen Bildteile gelegt werden. Wenn der Übergang zu stark ist, kann schnell der Eindruck entstehen, Teile des Bildes sind „aufgeklebt“, nachträglich eingefügt.

In der Werbung wird dieser Effekt gerne genutzt, um das Produkt hervorzuheben. Bei Porträt-Aufnahmen können zum Beispiel die Augen oder Lippen durch die Farbwirkung hervorgehoben werden. Hier wird die Mischung aus Schwarz-Weiß und Farbe gezielt dazu eingesetzt, den Blick des Betrachters auf einen bestimmten Bildteil zu lenken.

Welche Art von Effekt Sie bei Ihrem Bild auch verwenden wollen, hängt unter anderem davon ab, welche Aussage das Bild haben soll, oder was Sie mit der Aufnahme darstellen möchten.

Im folgenden nun ein paar Aufnahmen aus meiner Serie.


 

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