Leuchtende Nachtwolken

Leuchtende Nachtwolken, oder auch noctilucent clouds genannt, sind eine Himmelserscheinung, die insbesondere in den Sommermomenten in den nördlichen Breiten beobachtet werden kann.

Dabei haben sie mit den „normalen“ Wolken nur relativ wenig gemein. Die Wolken, die wir tagtäglich sehen, reichen bis in Höhen von rund 14 km und sind meistens für das Wettergeschehen verantwortlich. Die noctilucent clouds (NLC) hingegen befinden sich in Höhen von rund 80 bis 85 km Höhe und sie bestehen aus feinen Eiskristallen, haben aber keinen Einfluss auf das Wetter. Am Tage sind diese Wolken nicht zu sehen, sie werden durch den blauen Himmel überstrahlt. Erst zur Dämmerung treten sie in Erscheinung. Wenn hier bei uns die Sonne unter dem Horizont steht, werden die Wolken aufgrund ihrer Höhe noch von unten angeleuchtet und treten somit gegen den dunklen Himmel in den Vordergrund.

Als Anfänger kann man die leuchtenden Nachtwolken leicht mit Cirrus-Wolken am Abendhimmel verwechseln, die sich ebenfalls leicht vom dunklen Himmel abheben. Cirrus-Wolken sind aber nicht so fein ausgebildet und verdunkeln im Laufe der Zeit, wohingegen Leuchtende Nachtwolken immer stärker anfangen zu leuchten. Aber wenn man einmal die ersten NLC beobachtet hat, fällt die Unterscheidung wesentlich einfacher.

Beobachtet werden können die Leuchtenden Nachtwolken nur in den Sommermonaten von Ende Mai bis Ende August in nördliche Richtung. Allerdings sind nur etwa jede zweite oder dritte Nacht NLCs zu sehen, und dann auch nicht immer sehr leuchtstark und nur knapp über dem Horizont. Ausgebildete Displays, die auch von „unwissenden“ Personen zufällig wahrgenommen werden, gibt es nur wenige pro Jahr. Da in den Sommermonaten die Nächte sehr kurz sind, muss man auch schon mal bis Mitternacht oder noch länger warten, bis Leuchtende Nachtwolken beobachtet werden können. Oder man macht sich gegen 3 Uhr wieder auf den Weg.

Die Strukturen der Wolken sind oft zart und wellenartig und sie können sich innerhalb kurzer Zeit ändern. Bei Zeitrafferaufnahmen kann man diese Bewegungen sehr gut erkennen.

Im Folgenden einige Aufnahmen, die ich in den letzten Jahren machen konnte.

Leuchtende Nachtwolken in der Nacht vom 15. auf 16. Juli 2006, aufgenommen in Höven an der Hunte
Leuchtende Nachtwolken in der Nacht vom 15. auf 16. Juli 2006, aufgenommen in Höven an der Hunte

 

Display vom 9. Juli 2011, aufgenommen in Oldenburg
Display vom 9. Juli 2011, aufgenommen in Oldenburg

 

Nur zwei Stunden später hat sich das Display komplett gewandelt
Nur zwei Stunden später hat sich das Display komplett gewandelt

 

Eines der hellsten Displays im Jahre 2015 in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli
Eines der hellsten Displays im Jahre 2015 in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli

 

Detailaufnahme von den zarten Wolkenstrukturen
Detailaufnahme von den zarten Wolkenstrukturen

 

Detailansicht von NLCs in der Nacht vom 18. auf den 19.07.2016
Detailansicht von NLCs in der Nacht vom 18. auf den 19.07.2016

 

In der Saison 2018 waren in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2018 besonders schöne NLC zu beobachten.

 

Leuchtende Nachtwolken in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2018. Für das Foto wurden 185 Aufnahmen zu einem Startrail kombiniert.

Zur Fotografie

Zur Aufnahme von Leuchtenden Nachtwolken ist eigentlich nur eine Kamera mit einstellbarer Verschlusszeit und ein Stativ nötig. Und natürlich Geduld und Ausdauer.

Die Belichtungszeit sollte möglichst kurz gehalten werden, damit die Strukturen nicht verwischen und die Sterne nicht zu Strichspuren werden. Die maximale Belichtungszeit (für punktförmige Sterne) hängt dabei von der Brennweite ab. Bei einer Brennweite von 30mm (bezogen auf Kleinbild) sind 10 Sekunden noch vertretbar. Größere Brennweiten erfordern kürzere Belichtungszeiten. Daher eignen sich besonders lichtstarke Objektive mit kurzer Brennweite. Gegen Verwacklungen helfen ein Fernauslöser und eine Spiegelvorauslösung, oder direkt die Aufnahme aus dem Live view.

Eine Schwierigkeit ist das Fokussieren. Die Entfernungsangaben auf den Objektiven sind meistens nicht sehr genau. Daher sollte man sich ein entferntes Objekt suchen, welches auf dem Live view oder im Sucher noch erkennbar ist und darüber die Schärfe einstellen. Am Besten kann natürlich die Schärfe festgelegt werden, wenn es noch ausreichend hell ist. Danach darf dann nur nicht mehr an dem Objektiv „gedreht“ werden.

Der Blick Richtung Norden sollte möglichst frei sein. Und auch Städte sollten – wenn möglich – nicht in diese Richtung liegen. Im Gegensatz zu Polarlichtaufnahmen stören die Lichtkuppeln der Städte aber bei NLC-Fotos weniger, da der Horizont selber noch leuchtet und die Lichtglocken überstrahlt. Und dann kann natürlich ein Eyecatcher im Vordergrund oder ein ansprechender Horizont nicht schaden.

Weiterführendes

Inzwischen muss man nicht mehr jede Nacht draußen verbringen auf der Jagd nach Leuchtenden Nachtwolken. Aufgrund der großen Fangemeinde gibt es Warnlisten und Internetforen, die einen rechtzeitig über Sichtungen informieren. Und auch einige Webcams sind speziell auf NLCs ausgerichtet.

Trotzdem ist es immer wieder schön, auch selber einmal auf Jagd zu gehen und vielleicht der erste zu sein, der eine Sichtung meldet. Und auch, wenn der Beobachtungsabend einmal ohne Sichtung bleibt, die Ruhe, die man zu dieser Zeit genießen kann, ist auch nicht zu vernachlässigen.

Wenn Sie eine Sichtung machen, so melden Sie diese bitte auf dem Meteoros-Forum für NLC. Anhand der gesammelten Daten können dann die räumliche Ausdehnung und Lage der Wolken ermittelt werden.

Zum Schluss noch ein Link auf die Internetseite des Arbeitskreises Meteore e. V.
http://www.meteoros.de – Hier gibt es viele Informationen zu NLCs, Polarlichtern, Haloerscheinungen etc.


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